...Haaach, ich habe ihn mal wieder getriggert. Ich sehe es an seinem Blick und erkenne es an seiner Reaktion.
„Ja, ja, ich hab mal wieder einen Fehler gemacht. Die Deutschlehrerin ist wieder da.“
Den Satz kenne ich. Ich entschuldige mich sofort, weil es mir wirklich leid tut. Ich weiß, dass ihn das manchmal noch triggert, doch das Kopf-Programm in mir war schneller.
Meine Augen werden feucht, ich bin ohnehin heute so nah am Wasser gebaut und mich berührt gerade alles viel tiefer als „normal“.
Wir reden darüber. Was es mit uns macht, wie jeder fühlt und denkt. Richie sagt dann: Ich frage mich gerade, ob es dir peinlich ist, wenn ich Fehler schreibe oder ob es einfach nur dein Rechtschreibprogramm ist, weil du einfach so gut in der Rechtschreibung bist.
In diesem Fall war es mir gar nicht peinlich. Es war ein Automatismus. Und mir fällt dazu ein Beispiel ein. Ich antworte ihm: Es ist, wie wenn du dir etwas einschüttest und du schlabberst dabei. Ich sage automatisch: Hey, du hast geschlabbert, um dich aufmerksam zu machen, während ich gleichzeitig schon einen Lappen nehme, um es wegzuwischen. Einfach so. Einfach im Guten gemeint. Einfach … aber auch voll automatisch.
Es ist, wie wenn du mir beim Essen sofort zeigst, dass ich da einen Soßenfleck über der Lippe habe. Nicht, um mich zu triggern, sondern einfach, um mir zu sagen, dass da etwas ist, was da nicht hingehört.
Puuhh, ja, mir wird in dem Moment klar, dass auch das ein Programm ist. Wir sind alle so durchprogrammiert. Kann ich jemals leer werden von all diesen Automatismen?
Ich halte mich schon sehr zurück, weil ich mehr bei mir bleiben kann und wenn ich merke, es ist jetzt nicht hilfreich, da etwas zu sagen. Lass es einfach sein. Und ich kann auch viel mehr Dinge im Außen akzeptieren, die einfach so sind, wie ich sie vor einiger Zeit noch abgelehnt hätte, weil sie nicht meinem Wertebild entsprechen. Ich freue mich darüber.
Doch gerade komme ich auf die wirklich wichtige Frage: Wenn wir schon aus lauter Programmen bestehen, die uns so sehr geprägt haben, dass wir teilweise wie automatisch (darüber habe ich HIER schon mal geschrieben, fällt mir gerade ein) reagieren, ohne nachzudenken, ohne nachzufühlen, welche Programme sind denn überhaupt hilfreich, nützlich und welche sind es nicht? Könnte das der neue Maßstab sein?
Diese Frage werde ich mir jetzt öfter mal stellen. Viele Programme, wie Autofahren, das wir gelernt haben und mit der Praxis immer besser können oder Sprachen, die wir sprechen können sind ja nützlich, wie auch meine guten Rechtschreibkenntnisse.